Nora Turato. they filled me up with words
Sprache – in gesprochener wie geschriebener Form – ist zentrales Merkmal in Nora Turatos Werk, das von der Künstlerin in Wandarbeiten, Videos, Sound, Performances und ihren Künstlerinnenbüchern der Serie pool erforscht wird. Dabei arbeitet sie mit vorgefundenem Material aus vielseitigen Quellen wie u. a. dem Internet, Social Media, Presse, Büchern, Filmen, Musik und Gesprächen. Von der Künstlerin gesammelt und akribisch neu geordnet, wird ein Überfluss an Wortmaterial bis auf die Essenz heruntergebrochen. Turato macht so auf gesellschaftliche Bedingtheiten, Entwicklungen und Phänomene aufmerksam, die der Sprache zugrunde liegen und deren Gebrauch prägen.
Die bislang siebenteilige Reihe pool gleicht laut Turato jeweils einem Jahresbericht: Das von der Künstlerin zyklisch gesammelte Material an gefundenen Texten und Sprachfragmenten dient als Hauptquelle für ihre Performances und mündet zugleich in eine limitierte Auflage an Künstlerinnenpublikation. Ob in ausdrucksstarken Solo-Performances oder als großformatige typografisch gestaltete Rauminstallationen – ihre Arbeiten spiegeln präzise Beobachtungen einer stark von Bildern und KI-generierten Inhalten geprägten Gesellschaft wider und machen zugleich auf Veränderungen im Sprachgebrauch und damit verbundene Bedeutungsverschiebungen aufmerksam.
Turatos neue, eigens für die Fassade des n.b.k. konzipierte Arbeit they filled me up with words markiert einen Wendepunkt in ihrer Praxis, der mit ihrem neuesten medienübergreifenden Werkzyklus und der gleichnamigen Performance pool7 begann und als dessen Höhepunkt fungiert. Dabei dient ihr eigener Körper als Ausgangspunkt – als Quelle der Sprache und der Handschrift. Ihr langjähriger „Konsum“ unzähliger vorgefundener Wörter wird hier von der Künstlerin mit physiologischen Prozessen wie „verschlingen“, “verdauen“ und „würgen“ verglichen. Turato untersucht Konditionierungen, die das menschliche Verhalten prägen – mit einem Fokus darauf, wie diese erlernten Muster physisch sichtbar werden. Hierbei wird die Handschrift nicht nur als Form der Sprachdarstellung betrachtet, sondern auch als ein direktes Ergebnis verinnerlichten Verhaltens. Im Gegensatz zur Typografie, die die ausführende Hand zu ersetzen sucht, steht die unmittelbare Geste der Handschrift in direktem Zusammenhang mit Turatos performativer Praxis, die den Kern ihrer künstlerischen Arbeit bildet.
- Veranstaltungsort
- Neuer Berliner Kunstverein
Chausseestrasse 128 / 129
DE-10115 Berlin
- Veranstalter
- Neuer Berliner Kunstverein
- Wann?
- 17.03.2026-29.08.2026
